Gemeinderat beschließt die Verschiebung der Gartenschau Eppingen nach 2022

Veröffentlicht am: 17. März 2021

Eintrittskarten behalten ihre Gültigkeit

Der Gemeinderat hat in der öffentlichen Sitzung am 16. März mit deutlicher Mehrheit beschlossen, die Gartenschau Eppingen in das Jahr 2022 zu verlegen. „Eine Gartenschau, wie wir sie uns wünschen, ist angesichts der Corona-Pandemie in diesem Jahr nicht möglich“, begründete Oberbürgermeister Klaus Holaschke die Verschiebung. Mit dem Land als Mitveranstalter der Gartenschau soll weiter darüber verhandelt werden, mit welchem Anteil sich der Partner an den Mehrausgaben und den Mindereinnahmen durch die Verlegung beteiligt. „Wir wissen nicht, ob es auch 2022 noch Einschränkungen durch das Virus gibt; aber wir haben zumindest die Chance auf ein unbeschwertes Fest“, sagte Oberbürgermeister Klaus Holaschke in der öffentlichen Sitzung mit zahlreichen Zuhörerinnen und Zuhörern. Alle bereits erworbenen Tages- und Dauerkarten behalten auch im Durchführungszeitraum 2022 ihre Gültigkeit. Die ausführlichen Beratungsunterlagen finden Sie im Ratsinformationssystem.

Als weitere Optionen waren eine Verschiebung der Gartenschau um mehrere Wochen mit der Verlängerung bis in den Herbst oder eine Veranstaltung unter Corona-Bedingungen mit AHA-Regel, Mundschutz und eingeschränkter Besucherzahl diskutiert worden. Die breite Mehrheit des Gemeinderates sah darin angesichts steigender Infektionszahlen und fehlender Perspektiven für Veranstaltungen und Gastronomie keinen Sinn mehr.

Die Gartenschau ist das größte Projekt in der jüngeren Stadtgeschichte Eppingens. Fast zwölf Jahre Vorbereitungs- und eine fünfjährige Planungszeit stecken in der Gartenschau, für die rund 2.000 Einzelveranstaltungen vorgesehen waren.

Warum ist eine Entscheidung dringend erforderlich gewesen

Um die Öffnung zum 7. Mai vorzubereiten und den darauffolgenden Betrieb sicherzustellen, ist ein zeitlicher Vorlauf von ca. sechs Wochen notwendig. Allein der Aufbau der Hauptbühne mit Zeltüberdachung, die Gerüstbrücken zu den Festwiesen und die Einzäunung des Geländes machen einen mehrwöchigen Vorlauf erforderlich. Dazu kommt der Aufbau des Zeltes für die Hauptgastronomie mit anschließender Inneneinrichtung, die Betriebsvorbereitung an den übrigen Gastronomiestandorten, die überregionale Beschilderung und das interne Leitsystem sowie die Ausstattung der Kassencontainer. Daher war eine Entscheidung des Gemeinderats in einer Sondersitzung am 16. März dringend erforderlich.

Szenarien einer Durchführung der Gartenschau in 2021

Allein für die Ticketverkäufe hatte man mit 20.000 Dauerkarten und 50.000 Tageskarten und somit Gesamteinnahmen von rund 2,1 Millionen Euro gerechnet. Aktuell sind ca. 4.500 Dauerkarten verkauft und 7.500 Tageskarten mit Gesamteinnahmen von 320.000 Euro. 500 Reisebusankünften mit durchschnittlich 35 Personen stehen aktuell weniger als zehn Reisebusanmeldungen gegenüber. Auch sind von den kalkulierten 350 Gästeführungen erst sechs gebucht. Ist man bisher bei Veranstaltungen auf der Hauptbühne an Highlight-Tagen von 5.000 bis 6.000 Besuchern ausgegangen, wären auf Grundlage der Hygienevorschriften nur 200 bis 300 Personen zulässig. Die Blumenhalle, in der neun Wechselausstellungen vorgesehen sind, dürfte maximal von zehn Personen gleichzeitig betreten werden. Die Ausstellung im Treffunkt Baden-Württemberg im Bürgerhaus Schwanen lässt maximal 13 Personen gleichzeitig zu. Der Rundweg müsste im Einbahnsystem erfolgen, um Begegnungsverkehre auf ein Minimum zu reduzieren. Für die Gastronomie wäre eine Gartenschau unter Pandemiebedingungen aufgrund der hohen Vorleistungskosten mit großer Wahrscheinlichkeit ein Verlustgeschäft.

Verschiebung nach 2022 war mangels Perspektive alternativlos

Eine Gartenschau nach den Vorstellungen der Organisatoren und der breiten Bevölkerung ist derzeit nicht in Sicht. Veranstaltungen, auf die sich die Region schon lange freut, können überhaupt nicht oder nur mit massiven Einschränkungen stattfinden. Bei kleineren Veranstaltungen käme nur ein erlesener Kreis in den Genuss des Gartenschau-Programmes. Die Verteilung von Platzkarten müsste über ein Online-Portal erfolgen, unabhängig davon müsste jeder Besucher vor der Anreise ein Zeitfenster buchen. Die Verschiebung nach 2022 gibt Hoffnung auf Gewissheit auch in Bezug auf den Impffortschritt sowie eine prognostizierte weitere Corona-Welle.

Vorteile einer Verschiebung nach 2022 überwiegen

Mit dem Impffortschritt der Bevölkerung steigt die Wahrscheinlichkeit, Großveranstaltungen wieder durchführen zu dürfen. Dies nährt auch die Hoffnung auf weitere Lockerungen im Bereich von Veranstaltungen, Gastronomie und Tourismus. Ein wichtiger Bestandteil jeder Gartenschau ist das bürgerschaftliche Engagement, sei es im Rahmen von Bürgerprojekten oder Vereinsbeiträgen. Dieses Engagement ist aufgrund des Lockdowns nahezu vollständig zum Erliegen gekommen. In 2022 besteht große Zuversicht, dass die Vereine und Organisationen Programmbeiträge beisteuern und das Personal zur Bespielung der Ausstellungsbeiträge zusammenbekommen können. Nach der Einzäunung bleibt das Gartenschaugelände zwar ein Jahr lang geschlossen. Allerdings können bei einer Lockerung der Corona-Verordnung auch wieder Geländeführungen und Bürgerinformationsveranstaltungen durchgeführt werden. Die Grünpflanzen für den Sommerflor sind bereits bestellt. Dieser kann zu einem Großteil in Bestandsflächen der Stadt verwendet und der Rest im Rahmen von Marketingaktionen verteilt werden.

Gegenüberstellung der Einnahmen und Ausgaben

Für die Durchführung der Gartenschau wurde bei Ausgaben von 6,7 Millionen und Einnahmen aus Eintrittsgeldern, Parkgebühren, Sponsoring und Mietentgelten in Höhe von drei Millionen ein Defizit von 3,7 Millionen einkalkuliert. Dieses hätte sich bei einer Durchführung 2021 unter Corona-Bedingungen um 1,4 Millionen Euro auf 5,1 Millionen Euro erhöht. Geringere Eintrittsgelder hätten zu Einnahmeausfällen von rund 900.000 Euro geführt. Die Umsetzung des Hygienekonzeptes wäre mit Mehrkosten von 500.000 Euro verbunden gewesen. Mit der Verlegung der Gartenschau nach 2022 kalkuliert die Stadt aktuell mit Ausgaben von 8,5 Millionen Euro bei Einnahmen von 2,8 Millionen Euro. Das Defizit erhöht sich damit auf rund 5,7 Millionen Euro. Auslöser sind verlängerte Arbeitsverträge, Marketingkosten und Aufwendungen für die Bepflanzung und Grünpflege. Außerdem müssen die Ausstellungsbeiträge reaktiviert, Container auf- und abgebaut werden. Es liegt auf der Hand, dass die Stadt das sich abzeichnende Defizit nicht alleine schultern kann. Analog der finanziellen Hilfestellung in Überlingen erwartet man daher eine entsprechende Unterstützung des Landes Baden-Württemberg als Mitveranstalter und Partner zur Kompensation der entstehenden Mehrkosten.

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